„Mein Kind liest nicht gern auf Deutsch“ – Was jetzt wirklich hilft
Mein Kind liest nicht gern auf Deutsch – diese Frage beschäftigt viele Eltern im Ausland. Viele Eltern im Ausland kennen diese Situation nur zu gut. Und fast immer taucht dieselbe Sorge auf: Verliert mein Kind gerade den Bezug zur deutschen Sprache?
Diese Sorge ist nachvollziehbar. Deutsch ist mehr als ein Schulfach. Es ist Sprache, Identität, Verbindung zur Familie und zur eigenen Geschichte. Wenn ein Kind nicht gern auf Deutsch liest, empfinden viele Eltern das als Warnsignal.
Die gute Nachricht: Dieses Verhalten ist bei Familien im Ausland sehr häufig. Und in den meisten Fällen hat es nichts mit mangelnder Begabung oder fehlender Motivation zu tun. Im Gegenteil. Oft liegen die Gründe ganz woanders. Genau darum geht es in diesem Artikel.
Warum mein Kind nicht gern auf Deutsch liest, wenn wir im Ausland leben
Wenn ein Kind im Ausland aufwächst, ist Deutsch meist nicht die Umgebungssprache. Auf dem Spielplatz, im Sportverein, bei Freunden dominiert meist eine andere Sprache. Deutsch wird dadurch automatisch zur „Schulsprache“ oder zur Sprache der Eltern.
Viele Kinder verstehen Deutsch gut. Sie können Gesprächen folgen, Inhalte erfassen, Geschichten wiedergeben. Trotzdem fühlen sie sich unsicher, sobald sie selbst lesen oder laut vorlesen sollen. Zwischen verstehen und sich sicher fühlen liegt oft eine große Lücke.
Hinzu kommt die schulische Mehrbelastung. Viele Kinder lernen täglich in zwei oder sogar drei Sprachen. Sie wechseln permanent zwischen Sprachsystemen, Regeln und Erwartungen. Lesen auf Deutsch ist dann nicht einfach nur Lesen, sondern zusätzliche kognitive Arbeit.
Ein weiterer Punkt ist die emotionale Verknüpfung. Wenn Lesen auf Deutsch häufig mit Korrekturen, Leistungsdruck oder Zeitmangel verbunden ist, entsteht schnell eine negative Assoziation. Das Kind vermeidet die Situation nicht, weil es nicht kann, sondern weil sie sich unangenehm anfühlt.
Warum Druck und Zwang das Problem oft verschlimmern
Aus Sorge entsteht oft Druck. Eltern erinnern, mahnen, vergleichen vielleicht sogar unbewusst. Sätze wie „Du musst doch lesen“ oder „In deinem Alter solltest du das können“ sind gut gemeint, wirken aber anders als beabsichtigt.
Wenn ein Kind gezwungen wird zu lesen, passiert innerlich meist Folgendes: Das Lesen wird mit Stress verknüpft. Das Gehirn schaltet in einen Abwehrmodus. Lernen wird blockiert, nicht gefördert.
Gerade sensible Kinder verlieren dabei schnell das Vertrauen in die eigene Fähigkeit. Sie glauben irgendwann selbst, dass sie „nicht gut genug“ sind. Dabei wäre genau das Gegenteil nötig: Sicherheit, Ruhe und das Gefühl, gesehen zu werden.
Viele Eltern machen diesen Fehler nicht aus Ungeduld, sondern aus Hilflosigkeit. Und genau deshalb ist es so wichtig, das Problem nicht zu dramatisieren, sondern neu einzuordnen.
Was wirklich hilft, damit Lesen auf Deutsch wieder leichter wird
Der wichtigste Schritt ist, das Lesen aus der Bewertung herauszunehmen. Sobald ein Kind das Gefühl hat, geprüft zu werden, verschwindet die Leichtigkeit. Lesen darf wieder etwas Privates sein, etwas Gemeinsames, etwas Unperfektes.
Die Auswahl der Lektüre spielt dabei eine große Rolle. Nicht jedes Buch, das schulisch empfohlen wird, passt emotional zum Kind. Interesse schlägt Niveau. Ein einfacheres Buch, das wirklich anspricht, bringt mehr als ein anspruchsvoller Text ohne Verbindung.
Auch realistische Rhythmen sind entscheidend. In Familien im Ausland ist der Alltag oft dicht. Schule, Hausaufgaben, andere Sprachen, Freizeit. Tägliches langes Lesen ist für viele Kinder zu viel. Kurze, regelmäßige Momente sind wirksamer als ehrgeizige Pläne, die nicht durchgehalten werden.
Begleitung heißt nicht korrigieren. Ständiges Verbessern unterbricht den Lesefluss und verstärkt Unsicherheit. Viel hilfreicher ist es, einfach zuzuhören, Interesse zu zeigen und den Inhalt gemeinsam zu erleben.
Was Kinder langfristig brauchen, ist Struktur. Nicht im Sinne von Druck, sondern von Verlässlichkeit. Feste, überschaubare Lesezeiten geben Orientierung und Sicherheit.
Lesen ist mehr als Technik: Motivation, Sicherheit und Beziehung
Lesen auf Deutsch ist nicht nur eine technische Fähigkeit. Es ist eng mit Emotionen verbunden. Ein Kind liest leichter, wenn es sich angenommen fühlt. Wenn es weiß, dass Fehler erlaubt sind.
Auch Fachstellen wie die Stiftung Lesen weisen darauf hin, dass Lesen nicht als reine Leistungsaufgabe verstanden werden sollte. Entscheidend ist, dass Kinder positive Erfahrungen mit Texten machen und sich beim Lesen sicher fühlen. Gerade diese emotionale Sicherheit ist eine wichtige Grundlage dafür, dass Lesekompetenz langfristig wachsen kann.
Gerade im Ausland spielt die Beziehung zur Sprache eine große Rolle. Deutsch ist oft die Sprache der Familie, der Herkunft, manchmal auch der Erwartungen. Wenn diese Erwartungen zu schwer werden, zieht sich das Kind zurück.
Der Erwachsene sollte deshalb nicht als Prüfer auftreten, sondern als Begleiter. Als jemand, der mitgeht, nicht kontrolliert. Vertrauen entsteht nicht durch Leistung, sondern durch Beziehung.
Wenn diese Beziehung zur Sprache wieder positiv wird, kommt die Motivation oft ganz von selbst zurück.
Wann Eltern aufmerksam werden sollten
Nicht jede Leselust-Phase ist problematisch. Kinder entwickeln sich in Wellen. Es gibt Zeiten, in denen andere Dinge wichtiger sind als Bücher.
Aufmerksam werden sollten Eltern dann, wenn das Kind dauerhaft Lesen vermeidet, stark emotional reagiert oder auch schulisch zunehmend unsicher wird. Wenn Deutsch nur noch mit Stress verbunden ist und sich keine Entspannung einstellt.
In solchen Fällen lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht um zu bewerten, sondern um zu verstehen, was das Kind wirklich braucht.
Wenn ein Kind nicht gern auf Deutsch liest, ist das kein Zeichen von Versagen. Weder beim Kind noch bei den Eltern. Es ist eine verständliche Reaktion auf ein komplexes sprachliches Umfeld.
Das Wichtigste ist, Ruhe hineinzubringen. Druck herauszunehmen. Vertrauen aufzubauen. Lesen darf wieder leicht werden. Schritt für Schritt.
Wenn du das Gefühl hast, dass ihr euch im Kreis dreht oder dir ein neutraler Blick guttun würde, laden wir dich herzlich zu einem kostenlosen Erstgespräch ein. Gemeinsam schauen wir uns eure Situation an und finden heraus, welcher Weg für dein Kind sinnvoll ist.
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